Wie wird man eigentlich „Solarpunk“? Was macht man da? Das ist sehr individuell. Es gibt wahnsinnig viel zu tun, an allen möglichen Ecken – und somit viele Möglichkeiten, an einer besseren Zukunft mitzuarbeiten. Dieser Artikel soll ein wenig Orientierung geben.

Ich habe lange gezögert, diesen Artikel zu schreiben. Ich glaube grundsätzlich, dass jede:r selbst am besten herausfinden kann, wo der richtige Platz für das eigene Engagement ist, und ich hab befürchtet, durch zu starre Vorgaben die Kreativität und Ideen zu untergraben. Gleichzeitig ist es manchmal sinnvoll, ein paar Leitlinien bei der Suche zu haben – gerade, wenn man sich ganz am Anfang befindet!
Eine Bemerkung noch vorab: Solarpunk ist für mich kein Label, das man sich erarbeiten muss. Wer sich den Idealen dieser Bewegung zugehörig fühlt, gehört erstmal dazu. Alles andere würde sich elitär anfühlen. Natürlich gibt es auch einige No-Gos, die sich aus diesen Idealen ergeben (und die jede Person individuell anders gewichtet).
Aber ganz ehrlich: niemand ist perfekt, in unserer heutigen Welt kann man gar nicht moralisch einwandfrei leben (einer der Gründe, warum sie sich ändern muss). Für mich ist jedenfalls die Bereitschaft, etwas Positives beizutragen, das Wichtigste. Alles andere ergibt sich daraus Schritt für Schritt.
Wie wohnst du?
Wohnst du in einer Stadt oder eher dörflich? In den meisten Städten gibt es schon relativ viele progressive Projekte und somit Anknüpfungspunkte, wo man mitmachen kann. In vielen Dörfern ist es manchmal ein bisschen schwieriger – hier ist mehr Eigeninitiative nötig, um Gleichgesinnte zu finden. Nebenan.de und die Karte von morgen sind hier dafür schöne erste Startpunkte.
Wie sieht deine Nachbarschaft aus? Sind die Menschen dort eher reich und privilegiert, oder werden viele verletzlich und schutzbedürftig sein in den kommenden Katastrophen? Zu welchen Gruppen hast du Zugang? Mit welchen Menschen hast du regelmäßig Kontakt? Die letzte Frage ist vielleicht nicht nur auf deine Nachbarschaft bezogen, sondern auch auf digitale Räume.
Und etwas kleiner gedacht: Wohnst du in einem großen Mietshaus? Alleine, oder mit Menschen zusammen? Kennst du viele deiner Nachbar:innen schon? Die meisten Menschen tun das nicht (ich auch bisher viel zu wenig). Im Solarpunk geht es viel darum, Gemeinschaften aufzubauen und Vereinzelung zu durchbrechen. Kleine Gespräche können da der erste Schritt sein!
Was treibt dich an?
Welche Themen sind dir wichtig? Wofür brennt dein Herz? Worüber kannst du lange und begeistert lesen oder erzählen? Das können abstraktere Themen sein wie Feminismus, Klimagerechtigkeit oder utopische Science-Fiction, oder ganz konkrete, materielle Dinge wie Essen, ÖPNV, Fahrradverkehr… Wenn du ein Engagement findest, das dich auch inhaltlich begeistert, wird es dir leichter fallen dabeizubleiben.
Was tust du gerne?
Welche Tätigkeiten machen dich glücklich? Wühlst du gerne in der Erde? Bastelst du an elektronischen Geräten herum? Kochst du am liebsten? Liest du gerne Science-Fiction? Oder ist schreiben etwas, was dir guttut? Bist du vielleicht Künstler:in? Machst du lieber Dinge mit anderen Menschen zusammen oder alleine?
All diese Dinge könnten ein Hinweis darauf sein, womit du am meisten zu einer Solarpunk-Zukunft beitragen könntest. Denn Dinge, die wir gerne machen, können wir oft gut; und außerdem steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass du die Tätigkeit auch langfristig erfüllend findest und dranbleibst.
Und jetzt?
Vielleicht hast du jetzt den Eindruck, durch die vielen kleinen Fragen und Antworten noch weniger Orientierung zu haben als vorher. Das ist okay. Lass das erstmal sacken, lass dein Unterbewusstsein diesen Haufen sortieren. Und wenn dann die ersten Ideen hochkommen, was du machen könntest: Leg einfach los!
Es muss nicht gleich der perfekte Ansatz sein. Das Wichtigste ist, etwas zu machen, anzufangen. Dabei merkst du dann hoffentlich immer mehr, was dir liegt; und du lernst wahrscheinlich Menschen kennen, die eigene Ideen zu Transformation und Engagement haben. Die können dir dann noch mehr darüber erzählen, was es schon alles für tolle Ideen und Initiativen gibt. Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Spaß bei der Suche!
Ein Gedanke zu “Wie wird man Solarpunk?”