Solarpunk ist kapitalismuskritisch – wenn Profit das wichtigste Wirtschaftsmotiv ist, ist für das Wohlergehen von Mensch und Natur oft kein Platz. Gleichzeitig gibt es im Solarpunk bisher kaum Überlegungen zu einer zukünftigen Wirtschaft. Das ist kein Wunder: Solarpunk bemüht sich, die Zukunft wunderbar konkret und begreifbar zu machen, und Wirtschaft ist oft abstrakt, trocken und komplex. Dabei gibt es viele tolle Ideen für ein solidarischeres Wirtschaftssystem! Hier sind 3×3 Ideen für eine Solarpunk-Wirtschaft.
Werte: Nachhaltigkeit, Solidarität und Demokratie
Es gibt eine Menge verschiedener Werte, die für Solarpunk zentral sind; und wahrscheinlich sehen diese für jede:n anders aus. Für mich sind im Hinblick auf die Wirtschaft drei Punkte besonders zentral:
- Nachhaltigkeit, damit auch zukünftige Generationen noch etwas von der Erde haben;
- Solidarität, sodass Menschen sich frei und auf Augenhöhe organisieren und füreinander da sind;
- Demokratie, damit alle mitbestimmen können und Entscheidungen im Sinne aller getroffen werden
Diese Werte unterstützen und bedingen sich gegenseitig; und aus Ihnen ergeben sich indirekt viele weitere Prinzipien, die aber regional unterschiedlich sein können. Zum Beispiel das der Kreislaufwirtschaft, damit Ressourcen nicht übernutzt werden; und das der Permakultur, die Mensch und Natur in der Landwirtschaft ins Gleichgewicht bringt.
Bausteine: Care, Kooperativen und Commons
Als Nächstes möchte ich drei Arten von Wirtschaftseinheiten vorstellen, die bereits hier und heute existieren, und die schon heute eine bessere Wirtschaft von morgen symbolisieren. Sie weichen von der Profitlogik ab, die große Teile der Wirtschaft dominiert; gleichzeitig sind sie aber auch ständig davon bedroht, weil der Kapitalismus sehr gut darin ist, immer neue Bereiche zu vereinnahmen.
- Care-Beziehungen werden im Kapitalismus kaum wahrgenommen, dabei sind sie essenziell für das Überleben der Menschheit und für ein gutes Leben. Letztendlich sind wir alle von anderen Menschen abhängig – in (unterschiedlich) großen Abschnitten unseres Lebens jeweils mehr oder weniger. Diese Arbeit sollte in einer Solarpunk-Welt wertgeschätzt werden und im Zentrum der Wirtschaft stehen.
- Genossenschaften (international eher Kooperativen genannt) sind eine Errungenschaft der globalen Arbeiter:innenbewegung, die aufgebaut wurden, um die Probleme des Kapitalismus abzuschwächen und einfachen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Sie sind im Kern demokratisch organisierte Betriebe und Wirtschaftszusammenschlüsse, in denen Mitbestimmung und Gleichheit wichtige gelebte Werte sind.
- Commons sind Gemeingüter, also kollektiv verwaltete und genutzte Güter. Das können so unterschiedliche Dinge sein wie eine Weidelandschaft, eine Fabrik oder Wikipedia. Wichtig ist, dass dieses Dinge niemandem allein, sondern den Mitgliedern zusammen gehören, und dass diese Menschen sich auf Augenhöhe organisieren und absprechen.
Koordination: Märkte, Pläne, freie Assoziationen
Güter und Dienstleistungen müssen hergestellt werden und da ankommen, wo sie gebraucht werden. Dafür braucht es Koordinationsmechanismen, über die kommuniziert werden kann und Entscheidungen getroffen werden.
Heute ist das in erster Linie der Markt – aber dieser bringt eine Reihe von Nachteilen mit sich. Am Markt ist Wirtschaften auf Profit ausgerichtet; Menschen und Unternehmen müssen ständig konkurrieren, statt zusammenzuarbeiten; und einige wenige (die, die schon viel besitzen) werden durch das System extrem (einfluss)reich, während andere arm bleiben und teilweise verhungern.
- Manche Ansätze wie die Gemeinwohlökonomie oder die Donut-Ökonomie argumentieren, dass sich die Marktwirtschaft an unsere Werte anpassen kann und muss.
- Andere bezweifeln das und schlagen vor, Planwirtschaft mit unseren heutigen digitalen Möglichkeiten neu zu denken, wie zum Beispiel das Modell Parecon. Dadurch könnte dezentrale und demokratische Planung möglich werden, die effizienter und gerechter ist als die Marktwirtschaft.
- Wieder Andere gehen noch einen Schritt weiter und sagen, dass die Organisation über Commons gar keinen zentralen Koordinationsmechanismus braucht, und dass dieser oft neue Hierarchien mit sich bringt. Sie vermuten, dass Menschen sich in verschiedenen Commons einfach auf Augenhöhe organisieren können.
Fazit: Eine Solarpunk-Wirtschaft
Wie genau eine Solarpunk-Wirtschaft aussehen wird, wird je nach Zeit und Ort sehr unterschiedlich sein. Klar ist aber, dass Profitstreben als Ziel von Wirtschaft dieser im Weg steht. Erst wenn wird dieses Prinzip überwinden, können sich die wunderbaren Zukünfte entfalten, die die Menschheit verdient hat.
Zum Weiterhören: https://www.futurehistories.today/
