Stell dir eine Welt vor, in der Wirtschaft nicht auf Konkurrenz, sondern auf Zusammenarbeit beruht. Wo Menschen nicht gezwungen sind, um Jobs zu kämpfen oder Profite zu maximieren, sondern gemeinsam entscheiden, was und wie produziert wird. Ein Modell, um diese Wirtschaft zu schaffen, heißt Parecon, kurz für Participatory Economics – also „Mitbestimmungswirtschaft“.
Parecon wurde in den 1990er Jahren von Michael Albert und Robin Hahnel entwickelt. Es ist ein Vorschlag, wie eine gerechte, demokratische Wirtschaft aussehen könnte – eine Alternative zum Kapitalismus und auch zu alten Staatssozialismen.
Parecon beruht auf klaren Werten, die gut zu einer solarpunkigen Zukunft passen:
- Solidarität: Wirtschaft soll Menschen miteinander verbinden, nicht gegeneinander ausspielen.
- Vielfalt: Unterschiedliche Lebensweisen und Ideen sind erwünscht, nicht störend.
- Ökologische Nachhaltigkeit: Produktion darf nicht die Lebensgrundlagen zerstören – auch nicht für kommende Generationen.
- Selbstverwaltung: Jede*r hat Mitspracherecht – dort, wo sie oder er betroffen ist.
- Gerechtigkeit: Einkommen orientiert sich an Einsatz und Bedürfnissen, nicht an Macht oder Besitz.
Kurz gesagt: Eine Wirtschaft, in der Menschlichkeit wichtiger ist als Wachstum und Profit.
Die Grundideen von Parecon
Das Modell baut außerdem auf vier einfachen, aber kraftvollen Prinzipien auf, die diese Werte absichern sollen:
- Selbstverwaltung – Alle Menschen sollen in Entscheidungen so viel mitbestimmen, wie sie davon betroffen sind. Das heißt: Wer in einer Fabrik arbeitet, entscheidet gemeinsam mit anderen über Arbeitszeiten, Produktionsweisen und Löhne.
- Gerechter Ausgleich – Einkommen hängt nicht vom Glück, vom Besitz oder vom Markt ab, sondern davon, wie viel Mühe, Zeit und Belastung jemand in seine Arbeit steckt. Wer schwierige, anstrengende oder unangenehme Arbeit macht, bekommt dafür mehr Ausgleich.
- Ausgewogene Arbeitsverhältnisse – In Parecon gibt es keine „Chefjobs“, in denen Menschen nur planen, und keine „einfachen“ Jobs, in denen Menschen nur ausführen. Alle sollen ein Gleichgewicht aus planender und ausführender Arbeit haben. So bleiben alle in der Lage, mitzureden und Verantwortung zu übernehmen.
- Partizipative Planung – Statt eines Marktes oder einer zentralen Planbehörde gibt es ein System gemeinsamer Planung. Konsument*innen machen Vorschläge, was sie in Zukunft brauchen. Betriebe geben daraufhin an, unter welchen Bedingungen sie diese Dinge produzieren könnten (also was sie an Rohstoffen, Energie, Arbeitszeit… dafür benötigen). So wird gemeinsam nach dem besten Gleichgewicht zwischen Bedürfnissen und ökologischen Grenzen gesucht.
Technik ja – aber demokratisch
Parecon braucht keine Supercomputer oder Künstliche Intelligenz, um zu funktionieren.
Die Planung geschieht in wiederholten Runden: Räte machen Vorschläge und passen sie solange an, bis ein Plan steht, der für alle funktioniert.
Das Ganze könnte heute digital unterstützt werden – aber immer so, dass die Kontrolle bei den Menschen bleibt, nicht bei Algorithmen oder Eliten.
Solarpunk erzählt Geschichten von einer Zukunft, in der Mensch und Natur im Einklang leben. Technologie dient den Menschen, nicht den Konzernen. Energie ist erneuerbar, Gemeinschaften sind lokal vernetzt, und Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.
Parecon passt wunderbar in diese Vision. Es bietet ein Modell, wie eine gerechte und ökologische Wirtschaft praktisch funktionieren könnte. Wenn Solarpunk die kulturelle und ästhetische Seite einer nachhaltigen Zukunft zeigt, könnte Parecon so etwas wie das ökonomische Betriebssystem dahinter sein.
In der Zukunft könnten etwa Nachbarschaften eigene Energie kooperativ produzieren, gemeinsam festlegen, wie viel sie brauchen, und die Arbeit fair aufteilen. Unternehmen wären keine hierarchischen Konzerne, sondern demokratische Betriebe, die mit anderen kooperieren, statt zu konkurrieren. Entscheidungen würden auf lokalen Versammlungen und über digitale Werkzeuge getroffen – offen, transparent, solidarisch.
Details gibt es auf dieser Website, von der auch das Video und das Titelbild stammen: https://participatoryeconomy.org/de/eine-partizipatorische-okonomie/
