Wie könnte dein Viertel in einer Solarpunk-Zukunft aussehen? Diese Woche habe ich einen utopischen Stadtrundgang für euch aufgenommen, den ihr in eurem eigenen Kiez machen könnt. Dazu müsst ihr diesen Artikel einfach per Handy öffnen, die Audiodatei abspielen und loslaufen! Er dauert nur 5 Minuten (aber ihr könnt ihn natürlich gerne verlängern, wenn ihr wollt).
Musik: Adaptation by Anthem of Rain, CC-BY-4.0
Und hier als Textversion, falls ihr keine Lust habt es anzuhören:
Öffne die Haustür und geh nach draußen. Sieh dich um. Was siehst du? Welche Farben? Welche Formen? Gibt es viel Grün? Bäume, Rasen, Büsche, vielleicht sogar Blumen?
Wahrscheinlich gibt es auch grau – Beton, Straßen, Gehwege. Was löst beides in dir aus?
Welche Farben gibt es noch? Findest du es einladend? Schön?
Geh die Straße entlang, in eine Richtung, in die es dich gerade zieht.
Ist es sauber und aufgeräumt, oder eher dreckig?
Welche Fahrzeuge kannst du sehen? Wie kommen die Leute von A nach B? Mit Autos? Fahrrädern? Bussen oder Straßenbahnen?
Du kannst auch mal kurz die Augen zumachen und nur hören. Was hörst du? Menschliche Stimmen? Wie klingen sie? Tiere? Vögel?
Stell dir einen Moment lang die Infrastruktur vor, die deinen Kiez versorgt. Sie ist fast unsichtbar. Wasserrohre und Gasleitungen im Boden, Strom und Internet, Müllabfuhr, und viele weitere Dinge.
Ein wahnsinniger Luxus aus historischer Sicht (und auch aus Sicht der meisten Menschen, die heute leben).
Aber auch in vielen Fragen noch optimierbar – es könnte viel effizienter sein, weniger fossil, lokaler, mehr in Kreisläufen ausgerichtet. Teilweise hat dieser Wandel vielleicht schon angefangen.
Denk dann mal an die Menschen in deinem Kiez, deine Nachbar:innen.
Kennst du viele von ihnen? Grüßt du sie? Kennst du ihre Namen? Oder ist es bei euch eher anonym?
Hast du eine Idee, was sie beschäftigt? Welche Alltagssorgen haben sie? Was brauchen sie, was wünschen sie sich?
Wovor haben sie Angst, wenn sie an die Zukunft denken?
Sind sie vielleicht manchmal einsam, isoliert?
Wie ist dein Kiez für Kinder? Gibt es Spielplätze? Ist es gefährlich, alleine auf die Straße zu gehen? Gibt es Orte für Jugendliche?
Und wie ist dein Kiez für alte oder behinderte Menschen? Gibt es Sitzmöglichkeiten? Rampen und abgesenkte Bordsteine?
Wie ist es für queere oder migrantisierte Personen? Wohnen solche Menschen hier? Fühlen sie sich wohl im Kiez? Oder sind sie ständig auf der Hut?
Und denk als letztes auch mal daran, wer die Entscheidungen trifft, dass die Nachbarschaft so aussieht.
Wem gehören die Häuser, die Grundstücke, und warum? Zu welchem Zweck?
Wer durfte und darf bei der Viertelplanung mitreden?
Welche Perspektiven wurden hier vielleicht nicht mitgedacht?
Wer kann es sich überhaupt leisten, hier zu wohnen? Wer würde gerene hier wohnen?
Langsam ist es Zeit, umzudrehen. Du kannst den gleichen Weg zurücklaufen oder noch einen Schlenker gehen.
Stell dir vor, du könntest den Kiez zusammen mit Nachbar:innen so gestalten wie ihr euch das wünscht.
Ihr habt ein Preisausschreiben gewonnen, Geld spielt keine Rolle, und ihr habt auch Rückhalt in der Lokalpolitik. Ihr könnt Dinge verändern und ausprobieren.
Wovon würdest du dir mehr wünschen? Was würde deinen Kiez zu einem richtig einladenden Ort machen?
Wovon sollte es weniger geben? Was kann weg?
Was wäre Infrastruktur, die dir und deinen Nachbar:innen das Leben erleichtern würde? Die das Viertel schöner machen würde? Mehr Verbindung schaffen würde?
Träum gerne groß!
Denk nochmal an all die Menschen, die mit dir hier wohnen.
Wie sie sich um ihre Liebsten kümmern und für sie da sind.
Welche Fähigkeiten sie mitbringen.
Welche Begeisterung, welche Energie sie entwickeln können.
Wie uns allen wurde ihnen abtrainiert, zu träumen und sich eine bessere Welt vorzustellen.
Manchen mehr, manchen weniger.
Aber diese Fähigkeit schlummert noch in ihnen.
Die Zukunft ist ungewiss – vielleicht sieht dein Kiez in 10 Jahren ganz anders aus! Wenn du dann noch dort wohnst.
Es könnte alles ganz anders sein.
Vielleicht wird es Krisen geben, die euch zwangsläufig zusammenrücken lassen.
Vielleicht geschieht das auch ohne Krise, weil Menschen es angehen und Gemeinschaft aufbauen, Stück für Stück.
Klingt das wünschenswert für dich?
Vielleicht auch ein bischen unheimlich, wenn du Gemeinschaft nicht gewohnt bist und Anonymität schätzt?
Was könntet ihr zusammen aufbauen?
Welche Welt könntet ihr erschaffen, wenn ihr richtig mutig wärt?
