… heißt eine von der TU Ilmenau entwickelte App, mit der man Pflanzen bestimmen kann – und die mich gerade sehr begeistert. Schon die Kombination von Technologie und Natur fühlt sich sehr nach Solarpunk an. Ein weiterer Clou: die gesammelten Daten kommen wissenschaftlichen Projekten zugute, die wiederum langfristig für mehr Naturschutz sorgen können! Warum das auch noch gut für das eigene Wohlbefinden ist, lest ihr in diesem Artikel.
Ich hab keine Ahnung von Pflanzen. Ich kann weder Bäume bestimmen noch kenne ich besonders viele Blumen. Seit ich diesen Blog schreibe, wird das Thema aber immer spannender für mich. Susan Kaye Quinn, die Autorin der Hoffnungsschimmer-Reihe, meint in diesem Artikel, dass Pflanzenbestimmung dabei helfen kann, einen besseren Bezug zur nicht-menschlichen Welt zu entwickeln. Das fand ich spannend und wollte es ausprobieren.
Es gibt in App Stores inzwischen einige Apps dazu, aber Flora Incognita hatte gute Bewertungen – zu Recht. Sie ist umsonst, von einer Universität entwickelt und hat auch bei Tests ziemlich gut abgeschnitten. Sie hat sogar einen Mastodon-Account!
Citizen Science – Wissenschaft für Alle
Die App lässt sich ziemlich einfach nutzen: Man macht je nach Pflanzenart Fotos von verschiedenen Bestandteilen wie Blättern, Blüten oder Rinde. Wenn die Fotos gut getroffen sind, spuckt die App eine Vermutung inklusive Wahrscheinlichkeit aus (eine KI, die zugibt wie (un-)sicher sie sich ist ist auch ziemlich wohltuend).
So richtig sinnvoll fühlt sich das dann an, wenn man das als Teil der laufenden Forschungsvorhaben macht. Da kann man zum Beispiel große Bäume sammeln, Kräuter am Wegesrand oder Pflanzen auf Friedhöfen kartieren. Diese versieht man dann mit einem Klick mit dem jeweiligen Tag und kann dann noch einige Fragen dazu beantworten. Dann wird der Fund zusammen mit dem Datum und der Geolocation gespeichert – und die Forscher:innen können damit beispielsweise herausfinden, wie sich invasive Arten verbreiten oder ob bestimmte Pflanzen mit dem Klimawandel früher blühen.
Das Leben der Bäume
Ich persönlich habe auch gemerkt, dass ich seitdem das Stadtgrün anders wahrnehme. Wo ich früher nur einen grünen (wenn auch angenehmen) Hintergrund gesehen habe, bemerke ich jetzt häufiger die einzelnen Lebewesen, die diesen Hintergrund ausmachen. Und auch wenn es kitschig klingt – mein Bezug zu ihnen ändert sich. Ich werde daran erinnert, wie sie jeden Tag Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln und so menschliches und tierisches Leben ermöglichen. Bei großen Bäumen denke ich darüber nach, was sie alles schon erlebt haben; bei Kräutern kann man sich Anwendung und Wirkungen anzeigen lassen.
Übrigens: Die Wissenschaft belegt auch inzwischen, was indigene Völker schon lange wissen – dass Pflanzen nämlich sehr soziale Lebewesen sind. Sie kommunizieren untereinander über Pheromone (z.b. welche Schädlinge unterwegs sind), teilen Nährstoffe über Pilznetzwerke im Boden und lassen sich gegenseitig Raum für ihre Äste.
Ein neues Naturverhältnis
Wir alle wurden in eine Welt hineingeboren, in der die „Natur“ für die meisten eine Randerscheinung war – etwas, was man benutzen und ausbeuten konnte. Solarpunk steht für ein anderes Naturverhältnis. Und so langsam kommt auch in Teilen des Mainstreams an, dass wir von ihr abhängig sind, dass wir quasi an dem Ast sägen auf dem wir sitzen. Das ist nicht unsere Schuld, wohl aber unsere Verantwortung. Apps wie Flora Incognita können helfen, einen neuen Bezug zu entwickeln und der Verantwortung zu werden.
Wenn ihr also viel draußen unterwegs seid (oder sein wollt), Lust habt die Wissenschaft zu unterstützen und/oder euch mehr mit der Natur zu verbinden – probiert doch mal Flora Incognita statt Pokemon Go aus.

@solar-punk.org meine Frau ist total süchtig nach der App. Ich habe die App auch ein wenig genutzt, und sie macht schon Spaß.
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