Interview aus der Zukunft – eine Utopie-Methode

Das Interview aus der Zukunft ist eine Coaching-Methode, mit der man die eigene Utopiefähigkeit stärken kann. Ausgehend von einem aktuellen Problem entwickelt man kreativ ein wünschenswertes Zukunftsszenario und verschafft sich Inspiration für nächste Schritte.

Interview aus der Zukunft; CC-0

Diese Methode kann sowohl alleine als auch als Gruppe angewendet werden. Wenn ihr sie als Gruppe benutzt, ist es hilfreich, wenn eine Person die anderen durch den Prozess führt, indem sie Fragen stellt (sie kann trotzdem während der einzelnen Phasen am Prozess teilnehmen). Versucht, den inneren Kritiker auszustellen – in der Methode geht es nicht darum, Beiträge von anderen zu kritisieren oder zu evaluieren (das könnt ihr in der letzten Phase noch machen). Außerdem kann es hilfreich sein, Gedanken mitzuschreiben – in der Gruppe geht das zum Beispiel auf einem großen Blatt Papier in der Mitte; oder ihr delegiert die Aufgabe an eine Person. Ich hab die Methode sowohl alleine als auch in verschiedenen Gruppen ausprobiert und sie immer als sehr bereichernd empfunden. Ich schreibe den Artikel ab jetzt im Plural.

Phase 1: Ausgangspunkt definieren

Manchmal ist der Ausgangspunkt ein Problem, das wir lösen wollen. Es kann aber auch sein, dass es gar kein konkretes Problem gibt, und ihr nur Lust habt euch vorzustellen, wie ein Projekt oder eine Gruppe in der Zukunft aussehen könnte. Beides ist möglich! Beschreibt diesen Ausgangspunkt so, dass für alle klar ist, worüber ihr reden möchtet. Überlegt euch dann ein Datum in der Zukunft, an dem ihr euch den neuen, veränderten Status Quo vorstellen und von dem aus ihr zurückblicken wollt!

Phase 2: Status Quo in der Zukunft

In dieser Phase könnt ihr beschreiben, wie eure Zukunft aussehen wird. Es ist besonders wirkungsvoll, wenn ihr im Präsenz aus Sicht eures zukünftigen Ichs sprecht. Geht dabei ruhig ins Detail! Hier einige Fragen, die vielleicht hilfreich sein können:

  • Wie fühlt sich diese Zukunft an?
  • Was löst sie in euch aus?
  • Was könnt ihr sehen oder hören?
  • Wie sieht ein normaler Tag in dieser Zukunft aus?

Phase 3: Prozess in die Zukunft

In Phase 3 geht es darum, zu überlegen, welche Schritte zu diesem neuen, wünschenswerten Status Quo geführt haben.

  • Was ist in der Zwischenzeit passiert, dass ihr diese Zukunft verwirklichen konntet?
  • Welche Schritte habt ihr selber unternommen?
  • Gab es Menschen, die euch unterstützt und geholfen haben?
  • Was waren glückliche äußere Umstände?
  • Gab es vielleicht auch Hindernisse und Probleme? Wie habt ihr diese überwunden?

Dieser Teil ist manchmal eine Gratwanderung: Am wirkungsvollsten ist er, wenn ihr es schafft, eine Perspektive zu entwickeln, die sich realistisch und gleichzeitig im Hinblick auf den Status Quo in der Zukunft möglich anfühlt.

Phase 4: Feinschliff

An dieser Stelle könnt ihr überlegen, ob ihr noch einige Details ändern wollt.

  • Sind euch zum Beispiel im Rahmen des Prozesses noch Dinge eingefallen, die ihr beim zukünftigen Status Quo ändern wollt?
  • Oder ist euch aufgefallen, dass in der Zeitleiste einige Teilbereiche vielleicht doch länger brauchen könnten als gedacht?

Auch hier geht es nicht um Perfektion – solange sich das Bild einigermaßen stimmig anfühlt, ist es völlig in Ordnung!

Phase 5: Auswertung

Zuletzt könnt ihr auf die Meta-Ebene gehen.

  • Wie hat es sich für euch angefühlt, diese Utopie zu entwickeln?
  • Inspiriert euch das Bild von der Zukunft und/oder das Bild vom Prozess dahin?
  • Gab es Dinge, die euch überrascht haben?
  • Hat euch der Prozess auf Ideen gebracht, die ihr vielleicht demnächst umsetzen wollt?

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren und beim Stärken eurer Utopie-Muskeln!

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