Das Solarpunk-Dreieck: Natur, Technologie und Gemeinschaft

Natur, Technologie und Gemeinschaft sind drei zentrale Aspekte von Solarpunk. Sie sind alle wichtig für Menschen – und in diesem Artikel soll es darum gehen, wie sie sich gegenseitig unterstützen können. Dazu gibt es Beispiele aus Geschichten, aber auch aus der realen Welt.

🌱 Natur

Natur ist in Solarpunk-Bildern vor allem als Dachbegrünung und als Landwirtschaft zu sehen. Tatsächlich spielt in vielen Geschichten aber auch die Mitwelt – nicht-menschliche Lebewesen – eine zentrale Rolle.

Natur kann die Bildung von Gemeinschaft unterstützen. Menschen sind entspannter, wenn sie grün um sich wahrnehmen – dafür reicht sogar schon ein Desktop-Hintergrund, aber echte Pflanzen helfen dabei nochmal stärker. Das Stresssystem wird heruntergefahren, und das ermöglicht uns, Verbindung zu anderen Menschen herzustellen.

Parks, Wiesen und Flussufer sind sogenannte Dritte Orte (also Orte, an denen Menschen sich abseits der eigenen Wohnungen und jenseits von Konsumzwang treffen können) – diese machen Städte lebenswert, schaffen Verbindungen und verhindern Isolation und Vereinsamung.

Ein anderes, aber sehr konkretes Beispiel für Natur als Gemeinschafts-Unterstützerin liefert der Roman Hyphen: Hier hilft ein psychedelischer Pilz Menschen in einer postapokalyptischen Welt, Traumata zu verarbeiten, das Gefühl von Trennung zu überwinden, Empathie füreinander zu entwickeln und Gemeinschaft aufzubauen. Auch in der realen Welt gibt es immer mehr Hinweise, dass Pilze dafür (und für andere Dinge) wertvoll sein könnten.

Die Verbindung von Natur und Technologie ist ebenfalls interessant. Viele Erfindungen sind aus der Beobachtung der Natur hervorgegangen (das nennt man Biomimikry). Beispiele hierfür sind der Reißverschluss, Flugzeuge, das Echolot oder der wasserabweisende Lotus-Effekt.

Tatsächlich sind Natur und Technologie auch gar nicht so getrennte Sphären, wie es uns im Globalen Norden oft erscheint. Gerade indigene Kulturen haben viel Expertise darin entwickelt, Natur direkt für ihre Zwecke zu nutzen – beispielsweise in Form von gewachsenen Brücken oder Medizin. Hier stellt sich eher die Frage, was wir als Technologie wahrnehmen und was nicht.

🔌 Technologie

Auf der anderen Seite können auch Aspekte, die unter ein klassisches Verständnis von Technologie fallen, wiederum genutzt werden um die Natur zu unterstützen. Es gibt interessante Projekte, um Wildbestände von Tieren mittels KI zu überwachen, baumpflanzende Drohnen

Tatsächlich könnten unglaublich viele Technologien zum Wohle der Natur eingesetzt werden, wenn das eine Priorität für die Menschheit wäre. Leider wird Technik im Kapitalismus (bzw. in allen wachstumsbasierten Systemen, um auch den Realsozialismus nicht auszunehmen) fast immer in einem Kontext entwickelt und genutzt, um Profit zu machen – und da ist Naturschutz häufig ein Faktor, der die Gewinne senkt (zumindest kurzfristig). Daher ist es verständlich, wenn viele Menschen technik-skeptisch sind und neue Entwicklungen eher für problematisch halten. Aber es wäre konsequenter, den Rahmen unseres momentanen Wirtschaftssystems dabei mitzudenken und zu -kritisieren.

In Solarpunk-Geschichten gibt es auch spannende Beispiele für Technologien, die Gemeinschaftsbildung unterstützen. Das prägendste für mich waren die Sozialen Netzwerke in A half-built garden, die den Bewohner:innen eine permanente Kooperation und dadurch direkte Demokratie und Selbstverwaltung ermöglichen. Auch real existierende Soziale Netzwerke wie Mastodon sind eine Möglichkeit, Gemeinschaft zu finden – vor allem für Minderheiten wie zum Beispiel queere oder neurodivergente Personen. Leider stellt sich hier das gleiche Problem wie beim Naturschutz – die bekanntesten Sozialen Netzwerke können dieses Versprechen aufgrund ihrer Profitorientierung nicht einlösen, sondern kippen im Gegenteil in Vereinzelung und Polarisierung.

🤝 Gemeinschaft

Personen in Solarpunk-Geschichten sind keine vereinzelten Held:innen wie im Cyberpunk, sondern einfache Menschen, die als Teil einer Gemeinschaft wichtige und gute Dinge tun. Und auch im echten Leben arbeiten Millionen Menschen auf der Welt auf ein besseres Leben für alle (Mensch und Mitwelt) hin.

Ein prominentes Beispiel für Gemeinschaften, die die Natur schützen, sind die Umwelt- und Klimabewegungen, die seit den siebziger Jahren weltweit aufgekommen sind. Alleine könnten diese Menschen sicher kaum etwas bewegen, aber durch ihre große Zahl haben sie viele Probleme gelöst oder abgeschwächt – Naturschutzgebiete erzwungen, das Ozonloch stabilisiert, den deutschen Atomausstieg herbeigeführt und vieles mehr.

Im Globalen Süden setzt sich zudem immer mehr die Erkenntnis durch, dass die Natur am besten geschützt werden kann, wenn sie unter die Obhut lokaler indigener Gemeinschaften gestellt wird. Diese kennen ihre Umgebung viel besser als Naturschützer von außerhalb, sind nicht so stark der Verwertungslogik unterworfen und haben jahrhundertealtes Wissen darüber, wie ihre Umgebung im Gleichgewicht bleiben kann.

Zuletzt stellt sich noch die Frage, inwiefern Gemeinschaften auch hilfreiche Technologien schaffen können. Wie oben erwähnt, wird ein Großteil von neuen Technologien im Kontext von Konzernen oder Staaten geschaffen, die oft problematische Ziele damit verfolgen. Ein inspirierendes Beispiel ist die weltweite Open-Source-Gemeinschaft: Software wie das Betriebssystem Linux, der Browser Firefox oder Videokonferenzen wie Jitsi wurden und werden von einer riesigen Zahl von Freiwilligen gemeinsam programmiert und aktuell gehalten – einfach, weil diese es gut und wichtig fanden, dass es solche Software gibt. Selbst wenn sie manchmal etwas sperriger sein sollte als die durchdesignten Umgebungen aus den Tech-Konzernen – angesichts von Machtkonzentration, Datenschutzproblemen und ständiger Monetarisierung lohnt sicher der Umstieg fast immer.

Ein Gedanke zu “Das Solarpunk-Dreieck: Natur, Technologie und Gemeinschaft

  1. @solar-punk.org Das ist eine schöne Vorstellung.

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