Eine Solidarische Landwirtschaft ist eine von einer Gemeinschaft getragene Landwirtschaft. Produziert wird nicht für den Markt, sondern für Mitglieder. Dadurch können die Erzeuger:innen naturnahe und nachhaltige Anbaumethoden erproben.

In Deutschland wurden seit 2012 ca. 450 Solidarische Landwirtschaften (Solawis) gegründet, viele nicht von Bauern und Bäuerinnen, sondern von Städter:innen. Solawis sind mithin ein Teil der urbanen Landwirtschaft, einige Gründer:innen kommen direkt aus der Urban-Gardening-Bewegung, auch wenn sich die Produktionsstätten naturgemäß meist, aber nicht immer auf dem Land befinden. Zum Beispiel gibt es in Kassel und Leipzig Projekte (mitten) in der Stadt.
Das produzierte Gemüse wird geteilt wie auch das Risiko der Produktion: Bei Ernteausfällen wegen Witterung oder Schädlingsbefall fallen die Ernteanteile entsprechend kleiner aus. Außerdem sind die Höfe unabhängig von Weltmarktpreisen und industrieller Konkurrenz.
In Trier versteht sich ein Gemeinschaftsgarten als Solidarische Landwirtschaft. Es findet eine Bieterrunde statt, es werden 65 Ernteanteile ausgegeben. Allerdings geht es den Beteiligten in erster Linie ums ökologische Gärtnern und um einen Ort für die Gemeinschaft und erst in zweiter Linie um den Gemüse-Output.
Die meisten der Solawi-Genoss*innen hatten bereits Erfahrungen mit der Bewirtschaftung eines Gemeinschaftsgartens gesammelt, als die Möglichkeit in Aussicht stand, als Gruppe zwei ca. 2000 m² große Flächen kultivieren zu können. Insofern war ihnen schnell klar, dass es dafür eine professionelle Person mit Erfahrung im Anbau von Gemüse bräuchte, die sich hauptberuflich um den Garten kümmern könnte. Eine von ihnen, Eva Maria Altena, übernahm den Job; als erfahrene Gemeinschaftsgärtnerin ist sie die Idealbesetzung für diesen Posten.
Sich wie eine Solidarische Landwirtschaft zu organisieren, d. h. eine bezahlte Kraft in die Kalkulation des Gemeinschaftsprojekts einzubauen, reagiert auf das Problem der knappen Zeit, das viele der am Garten Beteiligten haben. Eine Gärtnerin, die sich hauptberuflich um die Erledigung der zahlreichen im Garten täglich anfallenden Arbeiten kümmern kann, leistet einen wichtigen Beitrag für die Stabilität des Projekts.
Bis in die 1950/60er Jahre wurde da, wo jetzt geackert wird, das Gemüse für die Stadt angebaut, bis sich die gärtnerische Produktion aufgrund der vergleichsweise schlechten Böden und der sinkenden Transportkosten nicht mehr lohnte. Heute ist das Gebiet als Industrie- bzw. Gewerbefläche ausgewiesen. Grund und Boden gehört der Stadt, die im Rahmen ihres Konzepts einer Essbaren Stadt Urban-Gardening-Aktivitäten unterstützt.
Ein Ort zum Verweilen
Die Trierer Gartenaktivist*innen wünschten sich einen produktiven Ort mit hoher Aufenthaltsqualität. So wird die eine 2000 m² große Fläche als Acker, die andere, ebenso große als Garten bewirtschaftet. Auf dem Acker wird mehr oder weniger ernsthaft Gemüse angebaut, im Garten findet sich neben Stauden, Beerensträuchern, Kräutern und Salat vor allem die Infrastruktur fürs Gemeinschaften: eine Outdoor-Küche, ein Grillplatz, ein Lehmofen, ein Kompostklo, eine Kleidertauschbörse, die Gemüseabholstation und ein Aufenthaltsraum für den Winter.
Mit ihrem Solawi- bzw. Gemeinschaftsgartenbeitrag finanzieren die Ernteteiler*innen ausdrücklich nicht nur die Gemüseproduktion, sondern auch die Arbeit des Sich-um-den-Ort-Kümmerns sowie die Arbeit der Wissensvermittlung. Und während in „normalen“ Solawis jenseits von anberaumten Mitmachaktionen (über)motivierte Helfer*innen die Arbeitsabläufe eher stören, gehört es hier zum Konzept, dass die Solawistas, wenn sie wollen, jederzeit vorbeikommen und lernen können, wie man Gemüse anbaut, den Boden bereitet, erntet, pflegt, verarbeitet. Neben dem, dass alle den Ort anderweitig nutzen, grillen, chillen und Feste feiern können.
Bild und Text sind leicht abgeänderte Auszüge aus dem Buch „Unterwegs in die Stadt der Zukunft – Urbane Gärten als Orte der Transformation“. Das Buch steht unter einer CC-BY-SA-Lizenz und ist hier umsonst als Download erhältlich. Guck es dir an!